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Sowjetarmee
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Sowjetarmee (russisch ĐĄĐŸĐČДтсĐșая Đ°Ń€ĐŒĐžŃ, ХА / Sowjetskaja armija) war die offizielle Bezeichnung fĂŒr den Großteil der StreitkrĂ€fte der Sowjetunion von 1946 bis 1991. Bis 1946 hieß sie Rote Armee.

Nach eigenem VerstĂ€ndnis galt die Sowjetarmee als das wichtigste bewaffnete Machtorgan der Sowjetunion. Sie war im Kalten Krieg Bestandteil sowie Hauptkraft der Warschauer Vertragsorganisation und damit des sogenannten Ostblocks. Sie umfasste die fĂŒnf TeilstreitkrĂ€fte LandstreitkrĂ€fte, Strategische Raketentruppen, LuftstreitkrĂ€fte, Luftverteidigung und Zivilverteidigung. Die Seekriegsflotte, die RĂŒckwĂ€rtigen Dienste, die Grenztruppen und die Inneren Truppen waren hingegen nicht Teil der Sowjetarmee.

Die Sowjetarmee ĂŒbernahm beim Ungarnaufstand 1956 und dem Prager FrĂŒhling 1968 die Funktion, die Herrschaft der Kommunistischen Partei in verbĂŒndeten Ostblockstaaten zu sichern. Beim Afghanistankrieg 1979 bis 1989 unterstĂŒtzte sie den dortigen Satellitenstaat gegen die vom Westen unterstĂŒtzten islamistischen Gruppen von Mudschahedin.

Contents

‱ Geschichte
‱ 1950er Jahre
‱ FĂŒhrung
‱ Mobilmachung
‱ Siehe auch
‱ Weblinks

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Geschichte

Vorgeschichte und GrĂŒndung

VorlĂ€uferorganisation der Sowjetarmee war die gemĂ€ĂŸ Dekret des Rates der Volkskommissare vom 15. Januar 1918 nach dem Freiwilligenprinzip, ab Mai 1918 abgelöst durch die allgemeine Wehrpflicht, aufgestellte Rote Arbeiter- und Bauernarmee (kurz: Rote Armee (RA)).cite-ref-3[3] Als GrĂŒndungstag feierte sie den 23. Februar 1918, an dem die junge Armee der Legende nach bei Narva und Pskow die Truppen des deutschen Ostheeres bei ihrem Vormarsch gegen St. Petersburg zum Stehen gebracht haben soll.cite-ref-4[4]

1950er Jahre

1950 war die Sowjetarmee die zahlenmĂ€ĂŸig stĂ€rkste Armee der Welt. Sie zĂ€hlte 170 Infanterie-, 35 Panzer- und 58 Artillerie-Divisionen mit einer FriedensstĂ€rke von knapp viereinhalb Millionen Soldaten. Das Reservepotential der Sowjetarmee soll, die ideologisch-paramilitĂ€rischen Formationen der WerktĂ€tigen eingeschlossen, fast 30 Millionen Mann groß gewesen sein.cite-ref-5[5] Bis 1955 waren die aktiven sowjetischen StreitkrĂ€fte auf etwa 5,7 Millionen Mann vergrĂ¶ĂŸert worden. Die offizielle Auflösung der sowjetischen Kavallerie erfolgte mit Ablauf des Jahres 1953. Hans Speidel notierte im November 1948 zur Sicherheitslage Deutschlands:

„Kurze Beurteilung der sowjetrussischen MilitĂ€rmacht: Die obere sowjetische FĂŒhrung ist gut [...] Mittlere FĂŒhrung scheint immer noch schwerfĂ€llig und methodisch zu sein. Der sowjetische Soldat, vor allem der Panzermann, ist wertmĂ€ĂŸig den besten der westeuropĂ€ischen gleichzusetzen, den meisten an Kriegserfahrung, Todesverachtung und BedĂŒrfnislosigkeit ĂŒberlegen. Sowjetrussland und seine Satellitenstaaten haben ein Mehrfaches an ErdstreitkrĂ€ften, die tatsĂ€chlich da sind, gegenĂŒber den KrĂ€ften der USA und Englands, die erst kommen sollen.“cite-ref-reichenberger-6-0[6]

In seiner, auf Veranlassung von Konrad Adenauer, verfassten Denkschrift „Gedanken zur Sicherung Westeuropas“ vom 15. Dezember 1948 forderte er angesichts des sowjetischen MilitĂ€rpotenzials mindestens 20 weitere amerikanische Panzerdivisionen.cite-ref-reichenberger-6-1[6]

1955 kam die erste sowjetische Atomkriegsvorschrift heraus. Ähnlich wie in den USA ging man zu dieser Zeit davon aus, dass die EinfĂŒhrung dieser neuartigen Massenvernichtungswaffen bedeutende Einsparungen im Umfang der herkömmlichen MilitĂ€rmacht ermöglichen wĂŒrde. Im sowjetischen Fall wirkte sich dazu ab Mitte der 1950er Jahre, bedingt durch den momentanen eigenen Vorsprung, eine gewisse Raketeneuphorie aus. Unter Chruschtschow wurde das sowjetische MilitĂ€r aufgrund dieser Rahmenbedingungen bis 1960 auf weniger als vier Millionen Mann reduziert. Die damit verbundene Entlassung zehntausender Offiziere hatte allerdings bereits fĂŒhlbaren Unmut zur Folge. Kennzeichnend fĂŒr jene Jahre war die Umschichtung von Ressourcen zur Aufstellung der neuen Teilstreitkraft Strategische Raketentruppen. Die Sowjetunion setzte ab Anfang der 1960er Jahre erneut auf eine vehemente AufrĂŒstung, die im Grunde bis zu ihrem Ende weiterbetrieben werden sollte. GrĂ¶ĂŸte Anstrengungen verwandte die Sowjetunion zunĂ€chst darauf, im RĂŒstungswettlauf gegen die USA eine nuklearstrategische ParitĂ€t herzustellen.cite-ref-7[7] Neben stationĂ€ren Interkontinentalraketen-VerbĂ€nden waren auch die mit nuklearen Mittelstreckenraketen ausgerĂŒsteten Einheiten Teil der mehrere hunderttausend Mann starken „Strategischen Raketentruppen“ der Sowjetarmee. Dazu gehörte auch das im Westen als SS-20 bezeichnete mobile System, dessen Stationierung den NATO-Doppelbeschluss von 1979 motivierte.

Schwierigkeiten ab den 1960er Jahren

Der in den 1960er Jahren beginnende schleichende wirtschaftliche und soziale Verfall machte auch vor den zu großen Teilen aus Wehrpflichtigen bestehenden StreitkrĂ€ften nicht Halt. Neben der hohen Anzahl Wehrpflichtiger war fĂŒr das sowjetische MilitĂ€r andererseits eine mit westlichen Armeen kaum vergleichbare kopflastige FĂŒhrungsstruktur charakteristisch. So war 1978 ein Viertel des gesamten Personalbestands im Offiziersrang, auf 700 Mann aller RĂ€nge kam ein General bzw. Admiral. Seit den 1970er Jahren war, wie an der Spitze von Staat und Partei auch, eine zunehmende Überalterung der obersten FĂŒhrungskader von Sowjetarmee und Warschauer Pakt unĂŒbersehbar. Weltkriegsveteranen blieben bis weit jenseits des 60. Lebensjahres im Dienst. So war der Stabschef des Warschauer Pakts Anatoli Gribkow 1989 im 71. Lebensjahr. Verteidigungsminister Dmitri Ustinow amtierte bis zu seinem Tod im Alter von 76 Jahren 1984.

Ab den 1970er-Jahren verfestigte sich eine Selbstrekrutierung des Offizierskorps. 1970 waren 54 % der GenerĂ€le bĂ€uerlicher Herkunft. Zur selben Zeit rekrutierten sich Hauptleute und Leutnante aus Offiziersfamilien, die hĂ€ufig eine MilitĂ€rschule besucht hatten. Ende 1980 stellten Offiziersfamilien die grĂ¶ĂŸte Gruppe der Offizierskandidaten. Das Offizierskorps wurde in der sowjetischen Gesellschaft einerseits als professionell und mit Prestige verbunden angesehen. Andererseits entwickelte es sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer in sich abgeschlossenen Kaste. Ab der Mitte der 1980er Jahre verfiel sowohl durch mangelnde Bezahlung und mangels zur VerfĂŒgung stehenden Wohnraum der Lebensstandard des Offizierskorps. In dieser Zeit mussten sich 165.000 Offiziere auf eigene Kosten mangels Offizierswohnungen bei Zivilisten einquartieren. Ebenso verfiel das die Offiziersfamilien versorgende Sozial- und Gesundheitssystem. In den innerhalb der Sowjetunion stationierten Einheiten entwickelten sich Defizite bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln und KonsumgĂŒtern. Der Verfall des Lebensstandards befeuerte Korruption und Dienstverletzungen.cite-ref-8[8]

Ein kompetentes UnterfĂŒhrerkorps nach NATO-Begriffen war praktisch nicht vorhanden. Mit Aufgaben, die im Westen qualifizierte Unteroffiziere ausfĂŒllten (z. B. Panzerkommandant), waren in der UdSSR in der Regel bereits Subalternoffiziere betraut. Es gab eine sehr schmale Schicht lĂ€ngerdienender, meist technischer Spezialisten, die sogenannten Praporschtschiki (vergleichbar mit FĂ€hnrichen), daneben nur wenige Starschina (Feldwebel). Die umfangreiche Dienstgradgruppe der Sergeanten hatte eine im Vergleich zu NATO-Unteroffizieren unzureichende Ausbildung. Sergeanten stellten eine Art Obergefreite dar, die aus den alljĂ€hrlich zweimal einrĂŒckenden Wehrpflichtigen per Vorauswahl (zum Beispiel DOSAAF-Aktivisten) entnommen waren. WĂ€hrend die Rekruten zuvor einmal im Jahr im Herbst einberufen wurden, ging man mit dem Wehrpflichtgesetz von 1967 zu einer halbjĂ€hrlichen Rekruteneinberufung im FrĂŒhjahr und Herbst ĂŒber. Die Dienstzeit wurde von drei Jahren auf zwei Jahre verkĂŒrzt.cite-ref-9[9]

Auf die sachgemĂ€ĂŸe Pflege und Instandhaltung der Technik wurde im Allgemeinen mehr Wert gelegt als auf Ausbildung, FĂŒhrung und Betreuung des Personals. Vergleichsweise gut versorgt waren EliteverbĂ€nde bei den Gruppierungen im Ausland oder Luftlandetruppen. Auf sie richtete sich das besondere Augenmerk der FĂŒhrung, sie standen auf hoher Bereitschaftsstufe, bekamen besseren Mannschaftsersatz zugeteilt und konnten sich der Gefechtsausbildung widmen. Die breite Masse der sonstigen Einheiten war demgegenĂŒber unterprivilegiert. Dort mussten Soldaten oft selbst Lebensmittel wie RĂŒben und Kartoffeln anbauen, um die Versorgung der Truppen zu verbessern; ganze Truppenteile wurden in die Wirtschaft abkommandiert. So sollte EngpĂ€ssen in der Kohleförderung oder beim Einbringen der Ernte abgeholfen werden. Derartige Personalaushilfen waren bei sĂ€mtlichen StreitkrĂ€ften des Warschauer Pakts ĂŒblich und angesichts der zunehmenden ökonomischen Probleme ab Mitte der 1970er Jahre immer hĂ€ufiger zu beobachten.

Weitere MissstĂ€nde kamen hinzu: So die Praxis, dass sich höhere Offiziere einen umfangreichen Stab persönlicher Diener hielten, der beispielsweise auch fĂŒr private Bauvorhaben eingesetzt wurde. Die Reibungsverluste aufgrund gesamtgesellschaftlicher und binnenmilitĂ€rischer UnzulĂ€nglichkeiten (UnfĂ€lle), innersowjetischer AnimositĂ€ten (NationalitĂ€tenkonflikte) und der daraus resultierenden KriminalitĂ€t (Körperverletzungen, Tötungen) sind kaum genau zu beziffern, lagen aber sicher wesentlich höher als in westlichen StreitkrĂ€ften. Dabei besteht der Eindruck, dass die 1967/68 eingefĂŒhrte halbjĂ€hrliche Rekruteneinberufung wesentlich zum PhĂ€nomen der sogenannten Dedowschtschina – dem Schikanieren jĂŒngerer Rekruten durch dienstĂ€ltere Wehrpflichtige – beigetragen hat.

Afghanistan-Krieg

Im Afghanistan-Krieg sah sich die 40. Armee der Sowjetarmee (Begrenztes Kontingent der sowjetischen Truppen in Afghanistan) in unwegsamem GelĂ€nde mit einem langwierigen, fĂŒr sie ungewohnten Guerillakrieg konfrontiert. Von 1979 bis 1989 dienten 642.000 sowjetische MilitĂ€rangehörige in Afghanistan. Die Zahl der zu einem Zeitpunkt eingesetzten Soldaten variierte zwischen 80.000 und 150.000. Die Armee hatte rund 15.000 Tote zu beklagen, darunter rund 2.000 Offiziere. Hinzu kamen rund 35.000 Verwundete, von denen rund 10.700 Kriegsversehrte blieben. Die Sowjetarmee trug bei einer StĂ€rke der verbĂŒndeten afghanischen Armee von 40.000 bis 80.000 die Hauptlast der KĂ€mpfe. Rund 412.000 Soldaten erkrankten ernsthaft wĂ€hrend des Einsatzes. Davon rund ein Viertel an infektiöser Hepatitis. Die hohe Zahl der KrankheitsfĂ€lle resultierte in dauerhafte Personalunterdeckungen der im Land befindlichen Einheiten von einem Viertel bis zu einem Drittel.cite-ref-10[10]

Mit diesem Konflikt handelte sich die Supermacht Sowjetunion weitere moralische Probleme sowie starke materielle und personelle Abnutzungserscheinungen in ihren StreitkrĂ€ften ein. Zwar konnten die Interventionstruppen nahezu jedes grĂ¶ĂŸere Gefecht gegen den von einheimischen und auslĂ€ndischen KrĂ€ften getragenen Widerstand gewinnen und vor allem in der ersten HĂ€lfte des Krieges dank ihrer Hubschrauberflotte große Erfolge verbuchen. 1988 beschloss die politische FĂŒhrung jedoch den RĂŒckzug der Truppen aus dem verwĂŒsteten Land einzuleiten, der zu Beginn des Jahres 1989 abgeschlossen war. Die afghanische Regierung wurde auch weiterhin von der Sowjetunion unterstĂŒtzt, beispielsweise durch das Einfliegen von Waffen und HilfsgĂŒtern. Afghanistan versank in der Folge in einem jahrelangen blutigen BĂŒrgerkrieg.

Die sowjetischen StreitkrÀfte beim Zerfallsprozess

1985 zur Zeit der MachtĂŒbernahme Gorbatschows entfielen 49 % des Staatshaushalts auf den MilitĂ€risch-Industriellen Komplex, entsprechend 25 % des Bruttoinlandprodukts der Sowjetunion. Rund 40 % der Industriearbeiter waren in der RĂŒstungsindustrie beschĂ€ftigt.cite-ref-11[11] Der Umfang der sowjetischen StreitkrĂ€fte betrug 1985 zwischen 3,7 und 5 Millionen Soldaten, hinzurechnen muss man noch 570.000 Mann Grenz- und Sondertruppen, die dem KGB bzw. dem Innenministerium unterstellt waren. Die Sowjetarmee stand nach der Implosion des Staates, auf den sie vereidigt war, vor chaotischen ZustĂ€nden. ZunĂ€chst ging die Befehlsgewalt von der Sowjetunion auf die GUS ĂŒber und spĂ€ter zur Russischen Föderation. Die Russische Föderation ĂŒbernahm als Nachfolgestaat der Sowjetunion das strategische MilitĂ€rpotenzial sowie den Großteil der Truppen, was das Problem der Stationierung russischer Truppen im Nahen Ausland mit sich brachte.

Ab 1989 wurde in Lettland, Armenien und Georgien die Wehrdienstverweigerung ein MassenphÀnomen. In der gesamten Sowjetunion erschienen nur 79 % der Wehrpflichtigen zum Dienst. Ein Teil der Erschienenen desertierte im Verlauf. 1990 wurden von drei Millionen Wehrpflichtigen nur die HÀlfte eingezogen. Nach Angaben des Verteidigungsministerium fehlten im Juli 1990 536.000 Wehrpflichtige bei der Truppe. Im Zuge der Wirtschaftsreformen fiel die Kaufkraft von Berufssoldaten auf unter 30 % des Durchschnittslohns einer Arbeiterfamilie. Durch die EinschrÀnkung der standortgebundenen Sozialprogramme waren 1991 rund die HÀlfte der Offiziersfrauen von Arbeitslosigkeit betroffen. Neben der wirtschaftlichen Not litt das Prestige des MilitÀrs auch durch Gewalteinsatz gegen die Bevölkerung unabhÀngigkeitswilliger Teilrepubliken.cite-ref-12[12]

Der Übergang zur GUS-Armee nach dem August-Putsch

Infolge des fehlgeschlagenen Putsches vom August 1991, bei dem sich die Sowjetarmee fĂŒr den Erhalt der Sowjetunion starkgemacht hatte, radikalisierte sich die politische Agenda der Republiken. Die UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rungen der Ukrainischen SSR, spĂ€ter auch der Moldauischen SSR, der Georgischen SSR, der Aserbaidschanischen SSR und der baltischen Republiken hatten auch unmittelbare Konsequenzen fĂŒr die Armee. Ziel des Generalstabs war, die vereinigten StreitkrĂ€fte möglichst lange und möglichst komplett zu erhalten. Angesichts der Tatsache, dass das Verteidigungsministerium der UdSSR ab 1992 ĂŒber keine eigenen finanziellen Mittel mehr verfĂŒgte, musste dieses Vorhaben jedoch aufgegeben werden. Auf dem ersten Gipfel der GUS im Dezember 1991 einigte man sich auf die Unterstellung der strategischen StreitkrĂ€fte unter ein einheitliches Kommando der GUS.

| Land | ICBM / МБР |
|---|---|
| Russland Sozialistische Foderative Sowjetrepublik Russische SFSR | 1066 |
| Ukraine Sozialistische Sowjetrepublik Ukrainische SSR | 176 |
| Kasachstan Sozialistische Sowjetrepublik Kasachische SSR | 104 |
| Weißrussland Sozialistische Sowjetrepublik Belarussische SSR | 54 |

Reformprozesse innerhalb der StreitkrÀfte

Der Reformdruck innerhalb der StreitkrĂ€fte erhöhte sich. Die Armee musste sich in den Randrepubliken entscheiden, ob sie auf der Seite der Zentralregierung oder auf der Seite der nach UnabhĂ€ngigkeit strebenden Republiksregierungen stand. Dadurch konnten die Offiziere starken politischen Einfluss ausĂŒben, wie im Falle der 14. Armee wĂ€hrend des Transnistrien-Konflikts. Der Erhalt des Unionsstaates lag in doppelter Hinsicht im Interesse der Armee, da sie sowohl auf die Union als Ganzes vereidigt war als auch der Zerfall der Sowjetunion wie der KPdSU die Versorgungssituation der StreitkrĂ€fte zunehmend verschlechterte. Die Auflösung der Oberbefehlsstrukturen, die bis 1991 die StreitkrĂ€fte kontrolliert hatten, fĂŒhrte zum zunehmenden Kontrollverlust der politischen als auch der militĂ€rischen FĂŒhrung auf die bewaffneten Einheiten, sodass sie zunehmend unter den Einfluss lokaler Offiziere gerieten.

Herausbildung einer russischen Armee

Die russischen StreitkrĂ€fte waren der Rechtsnachfolger der sowjetischen StreitkrĂ€fte und befanden sich Anfang 1992 angesichts der katastrophalen wirtschaftlichen Versorgungslage, der anstehenden RĂŒckkehr von 500.000 Soldaten auf russischen Boden und der anhaltenden negativen Stimmung gegenĂŒber dem MilitĂ€r in einem Zustand des organisatorischen und psychologischen Chaos.

Das Verteidigungsministerium der Russischen Föderation war bemĂŒht, sich möglichst jene Teile aus der Erbmasse des sowjetischen MilitĂ€rpotenzials anzueignen, die Russland langfristig den Status einer militĂ€rischen Weltmacht sicherten. Dazu gehörte vor allem die Kontrolle ĂŒber die Atomwaffen. Am 7. Mai 1992 veranlasste Boris Jelzin die Schaffung einer eigenen russischen Armee mit etwa 1,5 Millionen Mann aus dem Erbe der Sowjetarmee, die in ihrer neuen Doktrin die verĂ€nderte Sicherheitslage, die immense territoriale Reduktion und den Zerfall des Sowjetterritoriums berĂŒcksichtigen sollte.

Nach dem Ende der Sowjetunion

Nach dem Ende der Sowjetunion wurde der Niedergang der nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mĂ€chtigsten konventionellen Streitkraft auch in der breiten Öffentlichkeit deutlich, insbesondere im Ersten Tschetschenienkrieg. Die nationalistischen FreischĂ€rler brachten den russischen StreitkrĂ€ften empfindliche Niederlagen bei, insbesondere in der ersten Schlacht um die Hauptstadt Grosny. Die russischen StreitkrĂ€fte waren schlecht ausgebildet und ausgestattet, die TruppenfĂŒhrung war völlig verfehlt. Dies gipfelte letztendlich in einem vorĂŒbergehenden RĂŒckzug.

Nach der Ära Jelzin haben die aus großen Teilen der Sowjetarmee formierten russischen StreitkrĂ€fte einen hohen Stellenwert fĂŒr die politische FĂŒhrung Russlands, die damit ihre weiterhin vorhandenen AnsprĂŒche einer internationalen Großmacht legitimieren will. Es wird versucht, durch Reformen und einen höheren MilitĂ€retat eine Renaissance einzuleiten. Vielfach wird die einstige GrĂ¶ĂŸe und der Ruhm der Roten Armee beschworen. Der Niedergang konnte bislang jedoch nur in Teilbereichen aufgehalten werden.

FĂŒhrung

Die spezielle Verantwortung fĂŒr alle Belange der Landesverteidigung sowie den Aufbau und die FĂŒhrung der Sowjetarmee trug das Ministerium fĂŒr Verteidigung der UdSSR, an dessen Spitze der „Minister fĂŒr Verteidigung“ stand. Ihm waren der Generalstab sowie die Haupt- und Zentralverwaltung der StreitkrĂ€fte unterstellt. Der Chef des Generalstabs war auch zugleich erster Stellvertreter des Ministers.cite-ref-13[13]

Entwicklung

Siehe auch

:

Warschauer Vertragsorganisation

Allgemeine Entwicklung

→

Hauptartikel

:

Sowjetische Angriffsdoktrin (Kalter Krieg)

Die im Zweiten Weltkrieg erprobten Strategien und Taktiken prĂ€gten und bestimmten bis zum Ende des Kalten Krieges und der Sowjetunion die MilitĂ€rdoktrin der Sowjetarmee. Starke und zahlenmĂ€ĂŸig ĂŒberlegene, vor allem mit Panzern ausgerĂŒstete konventionelle Stoßarmeen sollten auch im Zeitalter der nuklearen Waffenarsenale durch konzentrierte VorstĂ¶ĂŸe den Krieg auf dem Territorium des Gegners entscheiden, wobei insbesondere der Koordination von Bodentruppen und LuftstreitkrĂ€ften erhebliche Bedeutung zugemessen wurde. Die in der SBZ bzw. DDR stationierte Gruppe der Sowjetischen StreitkrĂ€fte in Deutschland verfĂŒgte zu diesem Zweck ĂŒber mehrere schlagkrĂ€ftige Armeen, die fĂŒr die gegenĂŒberstehenden NATO-VerbĂ€nde den potentiellen Gegner darstellten. Organisatorisch standen Armee und Flotte erstmals seit 1946 gemeinsam unter einem Volkskommissariat bzw. Ministerium fĂŒr die StreitkrĂ€fte der UdSSR. Episode blieb eine erneute Trennung zwischen 1950 und 1953 in ein Kriegsministerium sowie ein Ministerium fĂŒr die Seekriegsflotte der UdSSR. Nach Stalins Tod im FrĂŒhjahr 1953 wurden beide endgĂŒltig zum Ministerium fĂŒr Verteidigung der UdSSR zusammengefasst. Der Generalstab, das eigentliche und wichtigste FĂŒhrungsorgan, hieß ab FrĂŒhjahr 1946 Generalstab der StreitkrĂ€fte der UdSSR.

Nach dem Krieg wurden die FĂŒhrungen der Fronten aufgelöst und teilweise in MilitĂ€rbezirke umgewandelt. Die Demobilisierung war 1948 abgeschlossen, von ĂŒber elf Millionen Mann 1945 verblieben noch knapp drei Millionen. In den ersten Nachkriegsjahren begann die Anpassung der StreitkrĂ€fte an die Bedingungen der „Revolution im MilitĂ€rwesen“, der sowjetische Sprachgebrauch fĂŒr die vom rapiden technischen Fortschritt gekennzeichnete neue RĂŒstungsphase. Es fand eine umfassende Motorisierung, Mechanisierung und Kampfwertsteigerung der Sowjetarmee statt. Die LuftstreitkrĂ€fte wurden auf die neu entwickelten Strahlflugzeuge umgestellt.

Im Ausland stationierte Truppenkontingente

‱ In Polen stand bis 1990/93 die Nordgruppe der Sowjetarmee.
‱ In der Tschechoslowakei war von 1968 bis 1991 die Zentralgruppe der Sowjetarmee.
‱ In der sowjetischen Besatzungszone in Österreich waren bis 1955 Truppen stationiert.
‱ In Ungarn war bis 1990/91 die SĂŒdgruppe der Sowjetarmee.
‱ In der DDR bzw. den spĂ€teren Neuen BundeslĂ€ndern und Berlin war bis 1994 die Gruppe der Sowjetischen StreitkrĂ€fte in Deutschland stationiert.
‱ In RumĂ€nien standen sowjetische Truppen der SĂŒdgruppe bis 1958.

Der Großteil davon (400.000 – 500.000 Mann) entfiel auf die DDR, gefolgt von der Tschechoslowakei (80.000), Ungarn (mehr als 60.000) und Polen (unter 50.000).

StÀrke der Armee

Personal und GerÀt

Über den personellen Umfang der sowjetischen StreitkrĂ€fte bzw. der Sowjetarmee kursierten teilweise widersprĂŒchliche Zahlen; ĂŒber weite Strecken der 1960er und 1970er Jahre ging man von knapp vier Millionen Soldaten aus.cite-ref-14[14] In westlichen Veröffentlichungen aus den nochmals angespannten 1980er Jahren wurde angegeben, das sowjetische MilitĂ€r weise eine GesamtstĂ€rke von deutlich mehr als fĂŒnf Millionen Soldaten auf.cite-ref-15[15] An solchen Angaben wurde auch Kritik geĂŒbt. Im Interesse einer etwa in den USA politisch erwĂŒnschten Hervorhebung des sowjetischen Bedrohungspotentials rechneten eigene Geheimdienstanalysen offenbar auch unbesetzte Planstellen in die IststĂ€rke ein.cite-ref-16[16] Zudem gingen die Ansichten darĂŒber auseinander, ob bestimmte Formationen wie Bau- oder Eisenbahntruppen und weitere paramilitĂ€rische Teile nun zu berĂŒcksichtigen waren oder nicht.

| Waffenart | 1965 | 1970 | 1975 | 1980 | 1985 | 1990 | 1991 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Panzer | | 38000 | 42000 | 50000 | 52600 | 41700 | 54400 |
| Artillerie , Granatwerfer , Raketenwerfer | | 21000 | 26100 | 29900 | 50200 | 64200 | 64200 |
| strategische Flugabwehrraketen | | 9800 | 9500 | 10000 | 9600 | 8650 | 8650 |
| SchĂŒtzenpanzer | | 30000 | 38000 | 62000 | 70000 | 86000 | 86000 |
| Armeehubschrauber | | 800 | 1550 | 2000 | 4300 | 4500 | 4500 |
| Jagdflugzeuge der LuftstreitkrÀfte | | 2850 | 3550 | 5000 | 5900 | 4335 | 4905 |
| Jagdbomber | | 895 | 825 | 518 | 500 | 390 | 410 |
| Grosse Überwasserschiffe | | 221 | 236 | 289 | 289 | 227 | 218 |
| Jagd- U-Boote | | 240 | 265 | 257 | 203 | 242 | 221 |
| Strategische Bomber | 118 | 157 | 157 | 157 | 160 | 128 | 100 |
| landgestĂŒtzte Interkontinentalraketen | 281 | 1472 | 1469 | 1338 | 1371 | 1378 | 1006 |
| landgestĂŒtzte Atomsprengköpfe | 281 | 1472 | 2169 | 5362 | 6813 | 6938 | 6106 |
| Strategische U-Boote | 25 | 44 | 73 | 85 | 78 | 60 | 55 |
| seegestĂŒtzte Interkontinentalraketen | 75 | 317 | 771 | 990 | 980 | 908 | 832 |
| seegestĂŒtzte Atomsprengköpfe | 72 | 287 | 828 | 1558 | 2264 | 2900 | 2792 |
| Atomsprengköpfe (insgesamt) | 882 | 2327 | 3565 | 7488 | 9997 | 11252 | 10164 |

Mobilmachung

Die Mobilisierung fĂŒr den Kriegsfall wurde in der Sowjetunion, wie insgesamt im Warschauer Pakt, als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden, die weit ĂŒber die StreitkrĂ€fte hinausgreifen sollte. Nach der Demobilisierung großer Teile der StreitkrĂ€fte und ihres Materials nach dem Zweiten Weltkrieg begann 1953 der systematische Aufbau von Mobilisierungsstrukturen fĂŒr den Fall eines erneuten Krieges. In diesem Jahr wurde im Gosplan eine Mobilmachungsgruppe innerhalb der 1. Abteilung (zustĂ€ndig fĂŒr die RĂŒstungsindustrie) eingerichtet. Zum Jahresende legte diese Gruppe der Partei- und StaatsfĂŒhrung einen Bericht ĂŒber einen erheblichen RĂŒckgang der Möglichkeiten zur militĂ€rischen Mobilisierung seit 1945 vor. Im folgenden Jahr richtete Gosplan eine Kriegs- und Mobilisierungsverwaltung mit 105 Mitarbeitern ein.cite-ref-18[18]

Die ZustĂ€ndigkeiten wechselten in den folgenden Jahren, aber 1956 lag ein erster Mobilisierungsplan fĂŒr die gesamte Volkswirtschaft vor, der von einem angenommenen ersten Kriegsjahr 1957 ausging. Demnach sollte die RĂŒstungsindustrie im Vergleich zum Vorjahr ihre Produktion von 6,3 auf 23,8 Milliarden Rubel erhöhen. Im Verlauf dieses Jahres sollten unter anderem 14.500 Flugzeuge, 16.300 Panzer und 2,7 Millionen Handfeuerwaffen hergestellt werden. Das stellte allerdings nur einen Bruchteil des erwarteten Bedarfs in der Sowjetarmee und den verbĂŒndeten StreitkrĂ€ften dar. Das galt auch fĂŒr vorhandene Rohstoffe sowie fĂŒr Betriebsstoffe wie Kohle und Erdöl.cite-ref-19[19]

Angesichts dieser Zahlen und der Berlin-Krise baute die Sowjetunion ihre RĂŒstungsindustrie von 1959 bis 1962 massiv aus. Dadurch wurde der errechnete Ausstoß von Panzern, Selbstfahrlafetten und SchĂŒtzenpanzern vom fiktiven ersten Kriegsjahr 1957 bis zur entsprechenden Annahme fĂŒr 1966 mehr als verdoppelt. Der Ausstoß an Flugzeugen blieb in etwa gleich, aber die Flugtechnik war in der Zwischenzeit erheblich aufwĂ€ndiger geworden. Es blieb trotz der Produktionssteigerung allerdings bei einer nur teilweisen ErfĂŒllung des berechneten Bedarfs im Kriegsfall. Die verbĂŒndeten Armeen hĂ€tten nur mit einem Bruchteil ihres Bedarfs ausgestattet werden können.cite-ref-20[20]

Der Personalansatz fĂŒr die voll mobilisierte Sowjetarmee lĂ€sst sich aufgrund der immer noch bestehenden Geheimhaltung betreffender damaliger Dokumente nicht genau bestimmen. Anhand der Hochrechnung aus Mengenangaben von bestimmten VersorgungsgĂŒtern lĂ€sst er sich aber mit rund zehn Millionen Mann veranschlagen.cite-ref-21[21]

Beim Zivilschutz ordnete der Ministerrat der UdSSR 1953 die Errichtung von SchutzrĂ€umen und die Einlagerung von SchutzausrĂŒstung in 179 GroßstĂ€dten an, die als Ziele möglicher NuklearschlĂ€ge angesehen wurden.cite-ref-22[22] Im Herbst 1961 bestanden zwar 49.500 Schutzbauten, aber nur PlĂ€tze fĂŒr 13,5 Prozent der Bevölkerung von GroßstĂ€dten und Industriezentren. Zudem wurden rund 20.000 Bunker zu anderen Zwecken genutzt und 60 Prozent boten keinen ausreichenden Schutz gegen Kernwaffen. Der Vorrat an Schutzmasken und -kleidung unterschritt den Bedarf noch stĂ€rker.cite-ref-23[23] Der Zivilschutz wurde in den frĂŒhen 1960er Jahren nach dem Vorbild des MilitĂ€rs organisiert. 1966 bestanden im Zivilschutz neun Regimenter und 23 selbststĂ€ndige Bataillone. Dazu kamen 27 Millionen freiwillige Zivilschutzhelfer, die allerdings nur ĂŒber eine sehr bescheidene Ausstattung und zum Teil auch Ausbildung verfĂŒgten. Flankierend zum Schutz gegen Angriffe in Bunkern sollten Menschen im großen Stil aus besonders gefĂ€hrdeten StĂ€dten evakuiert werden. Mitte der 1960er Jahre war eine Evakuierung von 44,7 Millionen Menschen innerhalb von vier Tagen geplant. Eine vorgesehene Entzerrung von Industrieanlagen durch einen rĂ€umlich weiter verteilten Neubau wurde kaum umgesetzt.cite-ref-24[24]

MilitÀrbezirke

Im Jahr 1945 gab es mehr als 30 MilitÀrbezirke; ihre Zahl verringerte sich bis Mitte der 1970er Jahre auf 16 Bezirke, die bis zum Ende der Sowjetunion bestanden:

‱ Leningrader MilitĂ€rbezirk
‱ Baltischer MilitĂ€rbezirk
‱ Belorussischer MilitĂ€rbezirk
‱ Karpaten-MilitĂ€rbezirk
‱ Odessaer MilitĂ€rbezirk
‱ Transkaukasischer MilitĂ€rbezirk
‱ Turkestanischer MilitĂ€rbezirk
‱ Mittelasiatischer MilitĂ€rbezirk
‱ Moskauer MilitĂ€rbezirk
‱ Kiewer MilitĂ€rbezirk
‱ Nordkaukasischer MilitĂ€rbezirk
‱ Wolga-MilitĂ€rbezirk
‱ Ural-MilitĂ€rbezirk
‱ Sibirischer MilitĂ€rbezirk
‱ Transbaikal-MilitĂ€rbezirk
‱ Fernöstlicher MilitĂ€rbezirk

EinsÀtze

Zusammen mit VerbÀnden des MWD/MGB und der Grenztruppen der UdSSR bekÀmpfte die Rote Armee/Sowjetarmee auch nach 1945 bis in die 1950er Jahre hinein bewaffnete Separatisten in der Ukraine und im Baltikum. Mehrere tausend Armeeangehörige starben bei diesen internen EinsÀtzen.

Einmarsch in Ungarn 1956, Tschechoslowakei 1968

Die bedeutsamsten Auslandsoperationen der Sowjetarmee zwischen 1945 und 1979 waren die beiden Interventionen von 1956 in Ungarn und 1968 in der Tschechoslowakei. Die Niederschlagung des „Prager FrĂŒhlings“ war das umfangreichste MilitĂ€runternehmen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg.cite-ref-25[25] Nach EinschĂ€tzung der NATO war sie, unter rein militĂ€rischen Gesichtspunkten betrachtet, gut geplant und durchgefĂŒhrt worden. SchwĂ€chen zeigten sich in der „DurchhaltefĂ€higkeit“ der VerbĂ€nde, was der im Vergleich zu westlichen VerbĂ€nden eher unterentwickelten Logistik und Versorgung der Sowjetarmee geschuldet war. Zudem leiteten tschechoslowakische Eisenbahner im zivilen Ungehorsam NachschubzĂŒge auf Abstellgleise.cite-ref-26[26] Sowjetische wie auch Ostblock-Heeresdivisionen umfassten zwar nur etwa zwei Drittel der PersonalstĂ€rke westlicher Divisionen, hatten allerdings einen deutlich höheren Anteil an Soldaten mit Kampfaufgaben.

Asien und Übersee

Am Koreakrieg nahmen nur in sehr begrenztem Umfang sowjetische MilitĂ€rangehörige teil, vor allem Piloten der LuftstreitkrĂ€fte. Sie erprobten, verdeckt auf nordkoreanischer Seite eingesetzt, die neuartigen dĂŒsengetriebenen Jagdflugzeuge im Kampfeinsatz.

Die Operation Anadyr 1962 war wohl die komplizierteste Operation, die jemals von den sowjetischen StreitkrĂ€ften durchgefĂŒhrt wurde, wenn auch weniger Personal beteiligt war als bei den großen Interventionen zur Niederschlagung der Widerstandsbewegungen in den anderen Ostblockstaaten.

Im Jahre 1969 lieferten sich Einheiten der Sowjetarmee und der Grenztruppen kurzzeitig Gefechte mit der Chinesischen Volksbefreiungsarmee am Grenzfluss Ussuri in Sibirien, was den Höhepunkt einer seit Anfang der 1960er Jahre schwelenden Krise in den Beziehungen der beiden sozialistischen GroßmĂ€chte darstellte. Seit Anfang des Jahrzehnts hatte die Sowjetarmee viele VerbĂ€nde sowie nukleare Mittelstreckenraketen in den Grenzbereich zu China verlegt. Allein in der befreundeten Mongolischen Volksrepublik standen bis zum Ende des Kalten Krieges rund 70.000 Sowjetsoldaten.

Besonderheiten

Seit ihrer GrĂŒndung waren die sowjetischen StreitkrĂ€fte eng mit der Kommunistischen Partei verzahnt. Ihren Mitgliedern kam eine Vorbildfunktion zu; sie galten als Verkörperung der ideologischen Standfestigkeit der StreitkrĂ€fte. Noch straffer als in den ĂŒbrigen Bereichen der Gesellschaft waren die Parteimitglieder innerhalb der Armee von der untersten Einheitsebene an in Parteigruppen organisiert. Ab dem Zweiten Weltkrieg stieg die Anzahl der Parteimitglieder innerhalb der Armee stĂ€ndig. Der Organisationsgrad nahm mit der Rangebene zu – in den letzten Jahrzehnten der Sowjetunion waren schließlich so gut wie alle Offiziere Mitglieder der KPdSU. Den MilitĂ€rrĂ€ten gehörten PolitfunktionĂ€re an. In den ersten Jahrzehnten stand fĂŒr die Macht der Partei innerhalb des sowjetischen MilitĂ€rs der bekannte Begriff des Politkommissars, der in der BlĂŒtezeit des Stalinismus gleichberechtigt oder sogar ĂŒber dem jeweiligen militĂ€rischen Leiter stand. Auch wenn die Organisation und Befugnisse der „Politorgane“ in den StreitkrĂ€ften mehrmals geĂ€ndert wurden (so schaffte man 1955 den Politoffizier auf Kompanieebene ab),cite-ref-27[27] blieb die FĂŒhrungsrolle und Kontrollfunktion der Partei innerhalb der Armee immer unangefochten, die Wichtigkeit stĂ€ndiger parteikommunistischer Agitation der Truppe stand nie in Frage. Weil das sowjetische MilitĂ€r der Partei klar nachgeordnet war, wollte die FĂŒhrung Gefahren wie der Bildung von Offizierscliquen oder einem eventuellen Bonapartismus vorbeugen. Bezeichnend fĂŒr ihre diesbezĂŒgliche Vorsicht war etwa die Kaltstellung Marschall Schukows. Auch nach auslĂ€ndischer EinschĂ€tzung hatte die KPdSU ihr MilitĂ€r gut unter Kontrolle. Der hohe Anteil von Offizieren am Gesamtpersonalbestand war auch auf die eigentlich militĂ€rfremde, umfangreiche Organisationsstruktur der „Parteiarbeiter“ innerhalb der Armee zurĂŒckzufĂŒhren. Sie unterstand der „Politischen Hauptverwaltung der Armee und Flotte“. In den ĂŒbrigen Ostblock-StreitkrĂ€ften war die parteipolitische Indoktrination dem sowjetischen Vorbild entsprechend organisiert. Seit 1967 bis zum Ende der Sowjetarmee gab es ab Einheitsebene (Kompanie, Batterie usw.) wieder „Politstellvertreter“ neben den jeweiligen militĂ€rischen FĂŒhrern. Was den politisch-moralischen Zustand der Einheiten anging, kam ihnen eine nicht zu unterschĂ€tzende Bedeutung zu, denn mancherorts fĂŒllten sie gleichsam die Funktion von „Betreuungsoffizieren“ aus.

Eine weitere Besonderheit war die zuletzt der Dritten Hauptverwaltung des KGB unterstehende militĂ€rinterne Geheimdienststruktur. Jede Einheit wurde von verdeckt agierenden KGB-Offizieren ĂŒberwacht, die sich fĂŒr ihre Aufgaben eines ZutrĂ€gersystems innerhalb der Truppe bedienten. Daraus resultierte ein allgemeines Klima des Misstrauens mit entsprechenden negativen Folgen. In der Endphase der Sowjetunion wurde es mit zunehmender Erosion der Ideologie dadurch abgeschwĂ€cht, dass diese Organe leichter korrumpierbar wurden und der Druck insoweit nachließ.

Von den beiden Sonderstrukturen Partei und Geheimdienst noch beförderte systemtypische SchwĂ€chen wie Karrierismus und eine auf reine „SĂŒndenbocksuche“ bzw. das Vertuschen von Problemen gerichtete MentalitĂ€t waren und blieben typisch fĂŒr die sowjetischen StreitkrĂ€fte.

Symbole der Sowjetarmee

Ärmelabzeichen

Ärmelabzeichen symbolisierten die Zugehörigkeit zu Waffengattungen, Spezialtruppen, Diensten oder Verwendungen. Die Trageerlaubnis beschrĂ€nkte sich auf die Dienstgradgruppen der Unteroffiziere, Kursanten und FĂ€hnriche (Praporschtschik/Mitschman). Ärmelabzeichen wurden als AufnĂ€her am Uniformmantel, der Ausgang- oder Paradeuniform, aber auch an bestimmten Felddienstuniformen (beispielsweise: Grenzdienstuniform, Afghanistaneinsatz etc.) getragen. An der Spezialbekleidung, wie beispielsweise dem Overall der Panzerbesatzungen, oder FallschirmjĂ€ger, wurden spezielle Ärmelabzeichen getragen.

Auswahl von Ärmelabzeichen

Auflösung der Sowjetarmee

Bereits seit Ende 1991 wurden Teile der Sowjetarmee auf das Territorium der RSFSR verlegt. Die in der Ukraine und Belarus stationierten Truppen wurden in nationale StreitkrĂ€fte ĂŒberfĂŒhrt. Den Berufssoldaten wurde der Verbleib in der Sowjetarmee oder die Übernahme in die nationale StreitkrĂ€fte freigestellt.

Nach Auflösung der Sowjetunion im Dezember 1991 wurden bis 1993 die letzten Strukturen der Sowjetarmee außer Dienst gestellt. Rechtsnachfolger wurden die StreitkrĂ€fte der Russischen Föderation. Die auf den Territorien der betreffenden ehemaligen Sowjetrepubliken dislozierten StreitkrĂ€fte verblieben in der Regel an den jeweiligen Standorten, wurden umstrukturiert und waren fortan VerbĂ€nde nationaler StreitkrĂ€fte.

Bis 1994 wurden die im Ausland stationierten StreitkrĂ€fte, wie beispielsweise die Westgruppe der Truppen in Deutschland, zurĂŒckgefĂŒhrt und grĂ¶ĂŸtenteils aufgelöst. Die Berufssoldaten wurden bis auf wenige Ausnahmen entlassen. Hiervon waren auch Soldaten in Spitzenverwendungen nicht ausgenommen. GrundsĂ€tzlich entlassen wurden alle Soldaten, die im Rahmen der Abzugsverhandlungen Kontakte zum westlichen MilitĂ€rbĂŒndnis hatten.

Siehe auch
Weblinks

Wiktionary: Sowjetarmee

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

cite-note-11. Anlage № 1 zum Befehl № 250 des Verteidigungsministeriums der UdSSR aus dem Jahre 1973 bezĂŒglich Trageweise der Uniform. Teil III. – Trageweise von Uniform-Bestandteilen. Kapitel 1 – Kopfbedeckung. Archivierung unter Quellennachweis 30. Mai 2013.
cite-note-22. SĂĄndor RadĂł (Bearb.): Welthandbuch. Internationaler politischer und wirtschaftlicher Almanach. Corvina, Budapest 1962. S. 1120.
cite-note-33. ↑ Siehe Dekret des Rates der Volkskommissare ĂŒber die GrĂŒndung der Roten Arbeiter- und Bauernarmee, 15. Januarjul. / 28. Januar 1918greg. Januar 1918, Information unter SchlĂŒsseldokumente zur russischen und sowjetischen Geschichte bei 1000dokumente.de.
cite-note-44. ↑ Kollektiv der MilitĂ€rakademie „Friedrich Engels“ der Nationalen Volksarmee (Hrsg.): Deutsches MilitĂ€rlexikon. MilitĂ€rverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1973, 2. Aufl., S. 356.
cite-note-55. ↑ Nikolaus Eck: Die Rote Kriegsmacht droht und rĂŒstet 
 In: Die Zeit, 9. MĂ€rz 1950.
cite-note-reichenberger-66. ↑ Florian Reichenberger: Der gedachte Krieg. Vom Wandel der Kriegsbilder in der militĂ€rischen FĂŒhrung der Bundeswehr im Zeitalter des Ost-West-Konflikts. Berlin/Boston 2020, S. 134 ff.
cite-note-77. ↑ Torsten Diedrich, RĂŒdiger Wenzke: Die getarnte Armee. Geschichte der Kasernierten Volkspolizei der DDR 1952–1956. Berlin 2001, S. 99 ff.; Siegfried Fischer, Otfried Nassauer: Satansfaust. Das nukleare Erbe der Sowjetunion. Berlin 1992, S. 133ff.; William E. Odom: The Collapse of the Soviet Military. Yale University Press, 1998, S. 39 ff.
cite-note-88. ↑ Roger R. Reese: The Soviet Military Experience. New York 2000, S. 143–148.
cite-note-99. ↑ Sowjetunion – Gesetzliche Wehrpflicht (DRV)
cite-note-1010. ↑ Roger R. Reese: The Soviet Military Experience. New York 2000, ISBN 978-0-203-01185-0, S. 166f.
cite-note-1111. ↑ Roger R. Reese: The Soviet Military Experience. New York 2000, S. 143.
cite-note-1212. ↑ Roger R. Reese: The Soviet Military Experience. New York 2000, S. 174f.
cite-note-1313. ↑ Wörterbuch zur deutschen MilitĂ€rgeschichte, 1. Aufl. (Liz.5, P189/84, LSV:0547, B-Nr. 746 635 0), MilitĂ€rverlag der DDR (VEB) – Berlin, 1985, S. 931.
cite-note-1414. ↑ Z. B. Friedrich Wiener: Die Armeen der Warschauer-Pakt-Staaten. Wien 1974, S. 20, 21, 99.
cite-note-1515. ↑ Z. B.StreitkrĂ€fte 1985/86. Die „Military Balance“ des Internationalen Instituts fĂŒr Strategische Studien, London. Koblenz 1986, S. 62.
cite-note-1616. ↑ Z. B. Erwin MĂŒller: RĂŒstungspolitik und RĂŒstungsdynamik: Fall USA. Baden-Baden 1985, S. 76.
cite-note-173. Christopher Davis: The Defence Sector in the Economy of a Declining Superpower: Soviet Union and Russia, 1965–2000. In: Defence and Peace Economics. Volume 13, Nr. 3. Online
cite-note-1818. ↑ Matthias Uhl: Die Mobilmachungs- und Kriegsvorbereitungen der Sowjetunion in den 1950er und 1960er Jahren. (pdf) In: MilitĂ€rgeschichtliche Zeitschrift Band 79 Heft 2. 3. Dezember 2020, S. 343–370, hier 345f., abgerufen am 15. Juni 2021.
cite-note-1919. ↑ Matthias Uhl: Die Mobilmachungs- und Kriegsvorbereitungen der Sowjetunion in den 1950er und 1960er Jahren. (pdf) In: MilitĂ€rgeschichtliche Zeitschrift Band 79 Heft 2. 3. Dezember 2020, S. 343–370, hier 347f., abgerufen am 15. Juni 2021.
cite-note-2020. ↑ Matthias Uhl: Die Mobilmachungs- und Kriegsvorbereitungen der Sowjetunion in den 1950er und 1960er Jahren. (pdf) In: MilitĂ€rgeschichtliche Zeitschrift Band 79 Heft 2. 3. Dezember 2020, S. 343–370, hier 348ff., 356, abgerufen am 15. Juni 2021.
cite-note-2121. ↑ Matthias Uhl: Die Mobilmachungs- und Kriegsvorbereitungen der Sowjetunion in den 1950er und 1960er Jahren. (pdf) In: MilitĂ€rgeschichtliche Zeitschrift Band 79 Heft 2. 3. Dezember 2020, S. 343–370, hier 353, abgerufen am 15. Juni 2021.
cite-note-2222. ↑ Matthias Uhl: Die Mobilmachungs- und Kriegsvorbereitungen der Sowjetunion in den 1950er und 1960er Jahren. (pdf) In: MilitĂ€rgeschichtliche Zeitschrift Band 79 Heft 2. 3. Dezember 2020, S. 343–370, hier 360, abgerufen am 15. Juni 2021.
cite-note-2323. ↑ Matthias Uhl: Die Mobilmachungs- und Kriegsvorbereitungen der Sowjetunion in den 1950er und 1960er Jahren. (pdf) In: MilitĂ€rgeschichtliche Zeitschrift Band 79 Heft 2. 3. Dezember 2020, S. 343–370, hier 361f., abgerufen am 15. Juni 2021.
cite-note-2424. ↑ Matthias Uhl: Die Mobilmachungs- und Kriegsvorbereitungen der Sowjetunion in den 1950er und 1960er Jahren. (pdf) In: MilitĂ€rgeschichtliche Zeitschrift Band 79 Heft 2. 3. Dezember 2020, S. 343–370, hier 364f., abgerufen am 15. Juni 2021.
cite-note-2525. ↑ Friedrich Wiener: Die Armeen der Warschauer-Pakt-Staaten. 6. Aufl., Wien 1974, S. 45.
cite-note-2626. ↑ Roland Vogt: Widerstandsformen in der CSSR als Antwort auf die Intervention der Warschauer-Pakt-Truppen vom 21. August 1968. In: Soziale Verteidigung, Jg. 3 (1971), Heft 9/10, S. 60–70, hier S. 69.
cite-note-2727. ↑ Raymond L. Garthoff: Sowjetstrategie im Atomzeitalter. DĂŒsseldorf 1959, S. 48.